Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore. Ein traditionelles Beispiel dafür ist der Anbau von Schilf für Dachreet. Neue innovative und nachhaltige Nutzungen sind etwa die energetische Verwertung von Niedermoor-Biomasse, die Nutzung von Röhrichten für neue Baustoffe oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz in Substraten für den Gartenbau.

Bis heute werden Moore großflächig für Land- und Forstwirtschaft sowie Torfabbau entwässert. Dadurch werden die über Jahrtausende gebildeten Torfe belüftet und von Mikroben zersetzt. Die Folgen sind Bodendegradierung, Moorsackung, Verlust von Biodiversität, Verlust der Wasserfilter-, Wasserspeicher- und Rückhaltefunktion und die Belastung von Grund- und Oberflächenwasser. Vor allem aber setzen entwässerte Moorböden enorme Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid frei, mit 2 Gigatonnen CO2 jährlich insgesamt 4 % aller vom Menschen verursachten Emissionen.

Die nasse Bewirtschaftung von Moorböden bringt Klimaschutz durch Minderung des CO2-Ausstoßes und durch Verdunstungskühlung. Sie liefert Alternativen für fossile Rohstoffe ohne in Konkurrenz um Flächen zur Nahrungsmittelproduktion zu treten. Paludikultur fördert Biodiversität und weitere Ökosystemdienstleistungen von Mooren. Sie bietet Perspektiven für Landwirtschaft und Tourismus in schwach entwickelten Regionen.

Publikationen

Paludikultur auf Niedermoor
Die Nutzung wiedervernässter Niedermoore bietet viele Optionen. Röhrichte lassen sich als Bioenergiepflanzen anbauen. Die Schwarzerle liefert Wertholz, Schilf und Rohrkolben Materialien für Baustoffe. Zudem lassen sich nasse Moore durch Wasserbüffel beweiden mehr...

Publikationen

Paludikultur auf Hochmoor
Auf Hochmooren lassen sich Torfmoose (Sphagnum) anbauen, um hochwertige Kultursubstrate zu erzeugen. Potentielle Flächen für die Kultivierung von Torfmoosen sind degradierte Moorstandorte, wie z.B. abgetorfte oder als Grünland genutzte Hochmoore. mehr...

Publikationen

Auszeichnungen
Es ist eine Auszeichnung für Paludikultur, dass internationale Gremien wie die UNEP, der IPCC und die FAO deren Wichtigkeit erkannt und das Konzept in Veröffentlichungen aufgenommen haben. Darüber hinaus gab es Wissenschaftspreise und Nominierungen. mehr...